Test Green Marathon – Part 2: Eine graue statt eine grüne Angelegenheit

Alte reformierte Kirche in Witikon

Auch an der alten reformierten Kirche in Witikon führt der Weg vorbei.

Der «Green Marathon» machte auch beim zweiten Teil des Tests seinem Namen keine Ehre: Grau war die dominierende Farbe. Die restlichen 17 Kilometer entpuppten sich nicht als das erwartete lockere Auslaufen nach den anstrengenden 25 Kilometern des ersten Teils.

Ich muss – liebe Leserin, lieber Leser – diesen Eintrag mit einem Geständnis beginnen: Eigentlich hatte ich geplant, den «Green Marathon» in einem Stück durchzulaufen. Ich musste aber bald feststellen, dass die doch recht zahlreichen Höhenmeter, der teilweise noch liegende Schnee und der nicht so trainingsintensive Winter, diesem Ansinnen wohl einen Strich durch die Rechnung machen werden.

Soll ich oder soll ich nicht?

Dennoch rang ich nach 25 Kilometern beim Zoo angekommen (siehe letzter Beitrag) mit mir selbst: Ich war zwar einigermassen erschöpft, doch glaubte ich, dass ich mit den Aufstiegen zum Albisgüetli, nach Höngg und schliesslich zum Zoo die schlimmsten Passagen hinter mir hatte. Mit der auf Facebook ausgeschalteten Karte im Hinterkopf dachte ich, dass es nun noch gemütlich hinter dem Zoo und bei der FIFA durch den Wald gehen wird und dann durch eines dieser romantischen Tobel runter zum Zürichsee und schwups zurück zum Ausgangspunkt.

So meine – wahrscheinlich auch vom Sauerstoffmangel im Gehirn begünstigten – Gedanken. Zum Glück gab es aber irgendwo doch noch ein Funken Vernunft. Denn ich brach damals nach 25 Kilometern den «Green Marathon» beim Zoo ab, um die restlichen 17 Kilometer ein anderes Mal abzuspulen.

Dieses andere Mal kam dann schon eine Woche später: Der Regen frass gerade die letzten Schneeresten weg und so präsentierte sich der «Green Marathon» wieder nicht in der Farbe seines Namens. Immerhin war es diesmal grau statt weiss. Präsentiert wurde mir darüber hinaus die Erkenntnis, dass ich vor Wochenfrist absolut richtig gehandelt hatte: Die letzten 17 Kilometer des «Green Marathon» gestalteten sich nämlich keineswegs so locker wie erhofft.

Gemütlicher Auftakt – idyllische gelegene Wirtschaft – Bergweg

Die ersten Meter vorbei an Zoo und dem gut abgeschirmten FIFA-Headquater waren noch durchaus angenehm, die leichte Steigung hoch zur Dolder-Eisbahn nicht der Rede wert. Dass diese erste Steigung mehr den Charakter einer Aufwärmübung hatte, ahnte ich in diesem Moment noch nicht, immer noch hing ich der Vorstellung an, dass ich das Schlimmste schon letzte Woche hinter mich gebracht hatte. Auf einem sogar leicht abfallenden Weg ging es zur idyllisch mitten im Wald gelegenen «Wirtschaft Degenried» – bei besserem Wetter sicher ein schöner Ort für einen Zwischenstopp. Doch bei diesem Regen…

Loorenkopf-Turm

Erinnerungen an die «SOLA»-Stafette werden wach: der Loorenkopf-Turm.

Das Wetter war aber bald nicht mehr mein Hauptproblem: Gleich hinter der Beiz ging es nämlich steil nach oben, sinnigerweise auf dem «Bergweg», und ich war erstmals richtig froh, dass ich vor einer Woche beim Zoo abgebrochen hatte. Locker wären die fehlenden 17 Kilometer keinesfalls geworden. Als der «Bergweg» bezwungen war, ging es dann auf den Spuren der «SOLA»-Stafette via Loorenkopf-Turm und vorbei an Zollikerg und Witikon zum Wehrenbachtobel.

Wehrenbachtobel

Endlich geht es bergab: Durch das Wehrenbachtobel gehts hinunter zum Zürichsee.

Endlich! Nun war das Ende absehbar und es lief wie von alleine. Am See angekommen, war es nach der Abwärtspassage zwar etwas schwierig, wieder in den «normalen» Rhythmus zu kommen. Doch mit der Zürcher Kirchturm-Skyline und dem nahen Ziel vor Augen ging auch das. Zumal das letzte Stück des «Green Marathon» über den Schützengraben führt. Eine Strecke, die ich deswegen so besonders finde, weil man sie mitten in Zürich nicht erwarten würde: Man ist zwar mitten in der Stadt, hat aber nicht das Gefühl mitten in der Stadt zu sein.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der «Green Marathon» für Joggerinnen und Jogger in Zürich eine Bereicherung darstellt. Die Strecke ist sehr schön angelegt und führt vorbei an den schönsten Stellen und Plätzen der Stadt. Auch regelmässige Jogger führt sie an unbekannte Ort oder kann als Anregung dienen, mal wieder andere Ecken der Stadt zum Training aufzusuchen. Allerdings darf man vom «Zurich Marathon», der ja aufgrund des kaum messbaren Höhenunterschieds damit wirbt, «der schnellste Marathon der Schweiz» zu sein, nicht auf den «Green Marathon» schliessen: Beim «Green Marathon» sind einige Höhenmeter zurückzulegen. Deshalb eignet er sich wohl eher dafür abschnittweise gelaufen zu werden. Da die ganze Strecke mit dem ÖV erreichbar ist, bietet sich dieses Vorgehen auch geradezu an. Ebenfalls positiv hervorgehoben werden sollte noch, dass es entlang der ganzen Strecke zahlreiche öffentliche WCs und Brunnen hat – ein Plus wenn aus dem «White/Grey Marathon» endlich der «Green Marathon» wird.

P.S. Die Macherinnen und Macher des «Green Marathon» sammeln mit einer Crowdfunding-Aktion noch Geld, um zum Beispiel Info- und Kilometer-Tafeln entlang der Strecke anbringen zu können. Eine Auflistung der geplanten Aktionen finden sich auf der Website von «I believe in you».

Zürcher Kirchen-Skyline von der Quaibrücke aus

Kirchtürme prägen die Ansicht von Zürich.

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